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Wissenschaft trifft Politik

Bild: CC Patrick Tomasso Quelle: Unsplash

Wissenschaft trifft Politik, um im deutsch-französischen Kontext über wichtige Zukunftsthemen zu diskutieren. Jenseits von nationalen Diskursen und Silodenken werden in einem zugänglichen Format zu einem jährlich wechselnden Leitthema Lösungen erarbeitet, gesammelt und besprochen. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit Sciences Po organisiert.

Wissenschaft trifft Politik 2021: Die Klimakrise deutsch-französisch bewältigen?

Kluge Lösungen jenseits von nationalen Grenzen sind gefragt, denn die Zeit für nachhaltige Politik drängt: Ob es um die Dekarbonisierung der Wirtschaft, steigende Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel, oder eine grüne Finanzwirtschaft geht. Wie können Deutschland und Frankreich zu einer klimapolitisch ambitionierten Politik beitragen, wie können sie gemeinsam den europäischen Weg hin zur Klimaneutralität ebnen? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten diesen Weg prägen?

Dies haben unsere Gäste von „Wissenschaft trifft Politik“ am 15. Juni online diskutiert. Sie finden hier neben dem Programm auch eine kurze Zusammenfassung der Diskussionen, die sie ebenfalls in voller Länge für die Panels 2 und 3 in den Videos weiter unten noch einmal anschauen können. Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir auch in einer Podcast-Folge über deutsch-französische Beiträge in der Klimapolitik diskutiert.

In der Diskussion European Green Deal: Zeit für deutsch-französische Projekte hat Svenja Schulze vom Nutzen der Meseberger Klima-AG und dem engen Austausch mit Frankreich trotz unterschiedlicher Vorgehensweisen hingewiesen. Gerade mit Blick auf den Transportsektor, der in Deutschland noch viele Fortschritte machen müsse, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, sieht sie in der Kooperation der Autobauernationen Frankreich und Deutschland einen Eckpfeiler von herausragender Wichtigkeit.

Maja Göpel betonte die Notwendigkeit fortwährender, evidenzbasierter Forschung zu Klimafragen. Sie forderte einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise, die anstehende Transformation zu denken und zu kommunizieren, sie soll mehr naturbejahend werden. Enrico Letta wies auf die hohen sozialen Kosten der grünen Transformation hin, die von Instrumenten wie dem Just Transition Fund begleitet werden müssen. Sébastien Treyer mahnte, den Agrarsektor nicht zu vergessen: Deutschland und Frankreich hätten hier ein großes Interesse, Nachhaltigkeit zu fördern, dies diene der Klimapolitik wie der Ernährungssicherheit.

Weiter ging es mit einer Debatte zur Herausforderung für die UNO: Klima und Sicherheit. Asako Okai zeigte hier auf, wie sehr Deutschland und Frankreich bereits den Nexus Klima und Sicherheit im Rahmen der Vereinten angehen, mit der „UN Group of friends on climate and security“, derAllianz für Multilateralismus, oder dem Climate Security Mechanism, der unter anderem im Sahel seine Wirkung entfaltet. François Gemenne hob die zahlreichen bereits sichtbaren Folgen von Klimaveränderungen hervor, die Konflikte verschärfen und fragile Staaten weiter destabilisieren. Da er die USA nicht gewillt sieht, die Anpassung an Klimaveränderungen und die Prävention schwerwiegender Folgen dezidiert anzugehen, ergebe sich hier eine Lücke, die Frankreich und Deutschland füllen sollten.

Fabian Gacon verwies auf die Rolle der SDG und der Pflicht der EU als Friedensnobelpreisträger, keine Klimaflüchtlinge an ihren Außengrenzen sterben zu lassen. Die Intersektion zwischen Klimawandel und Sicherheitspolitik müsse ernst genommen werden und mittels starker Institutionen angegangen werden. Audrey Mathieu sah hier ein Muster am Werk, das sich auch während der Pandemie beobachten ließ: zunächst die Verleugnung von Tatsachen, dann die Wahrnehmung der Realität, schließlich auch ein entsprechendes Handeln. Ihre Empfehlung angesichts der Sicherheitsrisiken, die vom Klimawandel beeinflusst werden: nicht schweigen, laut sein.

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Finanzwirtschaft nachhaltig machen – dieser Austausch rundete Wissenschaft trifft Politik ab, und Sabine Mauderer ließ keinen Zweifel daran, dass die engen deutsch-französischen Beziehungen auch in diesem Bereich aktiviert werden sollten, um Nachhaltigkeit im Finanzsektor zu verankern. Es könne nicht die gesamte Wirtschaft heute auf morgen nachhaltig werden, aber um dies mittelfristig zu erreichen, müssten Investitionen in CO2-intensive Aktivitäten schnell unattraktiv werden. Laurence Parisot sieht den Einzug von Umweltthemen im Tagesgeschäft von Banken bereits jetzt und identifiziert die Verknüpfung von Daten als entscheidende Schnittstelle hin zu einer ökologisch nachhaltigen Art des Wirtschaftens. Der Druck der Investoren sei bereits da, jetzt gelte es, den Wandel durch gemeinsame Standards zu gestalten und zu beschleunigen.

Thierry Philipponnat begrüßte das Aufkommen von Nachhaltigkeit in der Denkweise des Finanzsektors, sah aber gewaltigen Aufholbedarf: die gesamte Weltwirtschaft in ihrer jetzigen Form sei nicht nachhaltig. Er riet dazu, nicht lange auf Datenmaterial zu warten, sondern bereits jetzt anhand qualitativer Kriterien Veränderungen in die Wege zu leiten. Die EU sei bei der Entwicklung nachhaltiger Finanzmärkte zwar führend, analysierte Sima Kammourieh, aber müsse noch erhebliche Fortschritte machen, um ihren Ansprüchen gerecht zu werden.

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Programm

Online-Veranstaltung am 15. Juni 2021 / Simultanverdolmetschung DE-FR-EN

13:30 – 14:30 Uhr            European Green Deal: Zeit für deutsch-französische Projekte

Grußwort: Pascal Lamy (Präsident des Beirats des Jacques Delors Centre)

Der European Green Deal ist eine Generationenaufgabe: Europa soll bis 2050 klimaneutral leben und wirtschaften. Welche gemeinsamen Projekte sollen dem Green Deal Dynamik und Sichtbarkeit verleihen? Wo bleibt der deutsch-französische Motor bei diesem zentralen Thema?

  • Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)
  • Prof. Dr. Maja Göpel (wissenschaftliche Direktorin, The New Institute)
  • Dr. Sébastien Treyer (Exekutivdirektor, IDDRI)
  • Dr. Enrico Letta (Präsident des Institut Jacques Delors, Vorsitzender der Partito Democratico)

Moderation: Hanna Gersmann (Journalistin)

14:45 – 15:45 Uhr           Herausforderung für die UNO: Klima und Sicherheit

Der Klimawandel wird massive und globale Auswirkungen auf sicherheitsrelevante Fragen haben. Was können Deutschland und Frankreich unternehmen, um die Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen in diesem Bereich zu stärken und auszubauen?

  • Prof. Dr. François Gemenne (Sciences Po)
  • Asako Okai (Direktorin, UNDP Crisis bureau)
  • Audrey Mathieu (Referentin für EU-Klimapolitik, Germanwatch)
  • Fabian Gacon (UN-Jugenddelegierter für nachhaltige Entwicklung)

Modération : Thomas Pellerin-Carlin (Direktor Energy Centre, Institut Jacques Delors) 

16:00 – 17:00 Uhr           Finanzwirtschaft nachhaltig machen

Die Finanzwirtschaft kann ein mächtiger Hebel sein, um den Weg zur Klimaneutralität zu ebnen. Welche Regeln sollten dazu aufgestellt werden, welche Herausforderungen ergeben sich dabei? An welchem Punkt stehen Deutschland und Frankreich in diesem Prozess und wie können Synergien geschaffen werden?

  • Sima Kammourieh (Senior Policy Advisor, E3G)
  • Dr. Sabine Mauderer (Vorstand Deutsche Bundesbank)
  • Thierry Philipponnat (Head of Research and Advocacy, Finance Watch)
  • Laurence Parisot (Chairwoman, Citi)

Moderation: Sebastian Mack (Policy Fellow, Jacques Delors Centre)

In Zusammenarbeit mit: